Quantenphysik (für Autoren)

Science Fiction und Wissenschaft befruchten sich gegenseitig, wie schon das „Science“ in „Science Fiction“ verrät. Die Benennung eines Space Shuttles nach der „Enterprise“ und das Design neuer Produkte der Informationstechnologie zeigt auch den umgekehrten Weg. Science Fiction war dabei stets am äußeren Rand der Wissenschaft unterwegs, an der Grenze von Wissen und (Noch-)Nichtwissen. Diesen äußeren Rand stellt aktuell die Quantenphysik dar. Sie liegt unserer Alltagserfahrung jedoch fern, da sie nur in hochenergetischen Situationen (z.B. Kernfusion in der Sonne, starkes Magnetfeld innerhalb Kernspintomograph) vorkommt und sich im atomaren Klein(st)bereich abspielt.
Ist dieses für Geschichten doch noch anschaulich zu machen? Was wissen wir bereits? Was ist dafür für Stories zu verwenden?

Diese grundsätzliche Unanschaulichkeit und damit auch Unvorstellbarkeit der Quantenphysik fängt dabei schon bei den Grundlagen an:

Die winzige Energie, die Licht überträgt (wir kennen das etwa von Solarzellen oder vor allem früher verbreiteten Spielzeugen ähnlich einer Windmühle, deren abwechselnd schwarz und weißbeschichtete Arme sich bei Sonneneinfall zu drehen beginnen) wird nicht (wie wir es uns z.B. bei Anspritzen mit einem Wasserschlauch vorstellen würden) stufenlos übertragen, sondern immer nur in Vielfachen (Quanten), d.h. Stufen einer Basismenge. Das Bild müsste also eher das von kleinen Bällen sein, die geworfen werden und ihre jeweilige Energie beim Aufprall übertragen.  Weiterlesen

Dasein unter der Lupe – Grundfunktionen intelligenter Organismen kennen

Was tun die Charaktere in unseren fiktiven Roman-Welten eigentlich den ganzen Tag über sonst so? Welche Voraussetzungen müssen fiktiv-erschaffene Gesellschaften ihren Mitgliedern bieten? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die „Raumplanung“ unseres fiktiven Universums?

Sehr übersichtlich fasste die höchst irdische Sozialgeographie die Antworten auf diese Fragen Weiterlesen

Archetypen

„Grundstrukturen menschlicher Vorstellungs- und Handlungsmuster“, so definiert die Psychologie seit Jung die sogenannten „Archetypen“ und fand sie in Märchen, Mythen, Sagen, Kunstwerken, der Alchemie und in Visionen – aber auch Psychosen. Welche Inspirationen liefern sie für Autoren und Autorinnen heute?

Ein möglicher Archetypen-Kreis. Quelle: webmemo.ch

Die Zahl der Archetypen und auch die genaue Abgrenzung wurde dabei bewusst offen gelassen. Neben Jung als Psychologen haben sich auch immer wieder Autoren anderer Disziplinen mit diesen angenommenen Grundstrukturen beschäftigt. Von Joseph Campbell in „Der Heros in tausend Gestalten“ (engl. „The hero with a thousand faces“) als einem der wohl bedeutendsten Mythenforscher bis hin zum Drehbuch-Coach Christopher Vogler, der Hollywood-Studios bei Drehbüchern berät („Die Odyssee des Drehbuchschreibers“) haben sich aber immer wieder die folgenden Strukturen herauskristallisiert: Weiterlesen

Spieltheorie als Handlungsmodell

Die Frage, was menschliche Individuen antreibt, ist auch für Schriftsteller entscheidend. Im Kalten Krieg entwickelte der westliche Militärblock zur Erklärung und -noch wichtiger- zur Voraussage menschlichen Verhaltens die so genannte „Spieltheorie“. Sie fand über die Mathematik ihren Weg schließlich auch in die Wirtschaftswissenschaft und soll gerade auch heute ein viel genutztes Modell im Hintergrund von Bankenwesen und internationaler Politik sein. 

Die Spieltheorie beschreibt dabei grundsätzlich Situationen, in denen mehrere Menschen abhängig voneinander handeln. Ein beliebtes Beispiel ist dabei das „Gefangenendilemma“: Zwei Gefangene werden unabhängig voneinander befragt und können eine Tat entweder gestehen, den anderen belasten oder schweigen. Ihr Strafmaß richtet sich dabei nach der Kombination mit dem Verhalten des anderen, so dass sich eine Matrix aufeinander treffender Weiterlesen

Epigenetik – aktueller Trend in der Medizin

Teil der ca. 2 Meter langen DNA des Menschen als Schemadarstellung (Wikipedia)

Wodurch ist der Mensch entscheidend geprägt? Seine Umwelt? Seine Gene? Diese Frage musste nach der Entschlüsselung des menschlichen Genoms im „Human Genome Project“ weitgehend neu gestellt werden. Denn statt dem völligen Durchblick -wie erhofft- waren nur noch mehr Fragen aufgetaucht. Was bestimmt den Menschen denn nun? Und was heißt das für die Gesellschaft?

Es hätte ein besonderer Triumph werden können, als der damalige US-Präsident Bill Clinton 1998 feierlich bekannt gab, dass das Human Genome Project nun abgeschlossen und das menschliche Erbmaterial entziffert sei. Große Erwartungen, Hoffnungen, aber auch Befürchtungen verbanden sich damit: Heilung vieler Krankheiten, Verlängerung der menschlichen Lebenszeit, aber auf der anderen Weiterlesen

Bewusstseinsstufen: 8 Stufen nach Timothy Leary revisited

Timothy Leary 1989 (Wikipedia)

Timothy Leary (1920-1996), US-amerikanischer Psychologe und Autor ist vielen vor allem noch durch sein politisches Aktivistentum als „Drogenpapst“ bekannt – „Turn on, Tune in, Drop out!“ als zentraler Slogan. Daneben schuf er mit seiner „Entwicklungstheorie der acht Bewusstseinsstufen“ aber auch ein Modell des menschlichen Geistes. Lässt sich damit auch als Autor beim Erschaffen von Charakteren heute noch etwas anfangen? Beim Erdenken fiktiver Gesellschaften?

Kurz zusammengefasst handelt es sich bei den 8 Stufen um die Folgenden:

  1. Der Bio-Überlebens-Schaltkreis (Bio-survival Circuit) ist für die grundlegenden lebenserhaltenden Maßnahmen zuständig. Er entscheidet, ob Objekte entweder als gefährlich oder als sicher eingestuft werden. Der Schaltkreis ist schon im Gehirn der einfachsten wirbellosen Tiere verankert. Es ist der erste, der im Gehirn des Säuglings aktiv wird – kurz nach der Geburt.
  2. Der gefühlsbezogene, territoriale Schaltkreis (Emotional Circuit) kümmert sich vorwiegend um die gröbsten Emotionen und unterscheidet nach unterwürfigem oder beherrschendem Verhalten. Er trat in der Evolution als erstes in Wirbeltieren (Vertebrata) auf. Im Menschen wird der Schaltkreis aktiv, sobald das Kind gehen lernt.
  3. Der semantische Schaltkreis (Dexterity-Symbolism Circuit) ist mit logischem und symbolischem Denken verbunden. Er geht zurück bis zu dem Zeitpunkt als die ersten Hominiden begannen sich vom Rest der Primaten zu unterscheiden, als sie anfingen Werkzeuge zu benutzen und auf zwei Beinen zu gehen.
  4. Der sozio-sexuelle Schaltkreis (Social-Sexual Circuit) übernimmt das Betreiben von sozialen Netzwerken und das Übermitteln von Kultur über die Zeiten. Das Entstehen erster sozialer Strukturen in der Gesellschaft ging mit diesem Schaltkreis einher. Leary verband niemals eine Droge damit.
  5. Der neurosomatische Schaltkreis (Neurosomatic Circuit) ist der erste, der in der rechten Gehirnhälfte angesiedelt ist. Bei den meisten Menschen sind er und alle weiteren jedoch inaktiv. Er erlaubt es einem, Dinge im multidimensionalen Raum zu erfahren – anstatt der Fähigkeit der meisten Menschen, nur 4-dimensionale Dinge der Raumzeit wahrzunehmen. Er soll uns bei zukünftigen Unternehmungen, bei der Erforschung des Weltraums unterstützen. Er tauchte vor ca. 4000 Jahren in den ersten begüterten Gesellschaftsformen auf, in denen die „irdischen Überlebensprobleme“ keine so große Rolle mehr spielten. Eine starke Ausprägung erreichte er mit der Entwicklung der Freizeitgesellschaft im zwanzigsten Jahrhundert. Er ist mit Hedonismus und Erotik in Zusammenhang zu bringen.
  6. Der metaprogrammierende oder bewusstseinsabstrahierende Schaltkreis (Neuroelectric Circuit) steht in Verbindung mit dem Bewusstwerden des Geistes, so dass er unabhängig von den Mustern und Prägungen der vorhergehenden Schaltkreise agiert. Nach Learys Einschätzung wird dieser Schaltkreis den Weg für die telepathische Kommunikation frei machen. Für diejenigen, bei denen die fünf vorhergehenden Schaltkreise aktiv sind, die aber nur mit der linken Gehirnhälfte arbeiten, ist es unmöglich, diesen Schaltkreis zu erreichen. Die Entwicklung dieses Schaltkreises geht mit der um 500 n. Chr. entstandenen Seidenstraße einher.
  7. Der neurogenetische Schaltkreis (Neurogenetic Circuit) erlaubt Zugriff auf die genetischen Speicherfunktionen der DNA. Er ist verbunden mit den Erinnerungen der vergangenen Leben, dem Buch des Lebens und dem kollektiven Unbewussten wie es C.G. Jung beschrieben hat. Außerdem eröffnet er wesentliche Züge von Unsterblichkeit im Menschen. Wahrscheinlich ist er unter hinduistischen und sufistischen Sekten am Ende des ersten Jahrtausends nach Christus entstanden.
  8. Der neuroatomare Schaltkreis (Neuro-atomic Circuit) eröffnet Zugang zum intergalaktischen, universalen Bewusstsein, welches dem Leben im Universum vorangeht. Er lässt Menschen außerhalb der Raumzeit und dem Zwang von Relativität operieren.

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Kommentar: Stand der Dinge – Marginalisierung und Nudging

Von der öffentlichen Analyse in den klassischen Medien wenig beachtet läuft einer der großen Trends unserer Zeit: Marginalisierung, d.h. die Ausgrenzung von Individuen und Menschengruppen aus der Gesellschaft an ihren Rand. Was das bedeutet, zeigt sich an der aktuellen Entwicklung besonders in den Industrienationen.

Mit der Automatisierung und Digitalisierung der Welt rutscht heute auch die breite Mittelschicht in die Gefahr des Verlustes ihres Jobs und damit einer wichtigen Quelle ihrer Rolle in der Gesellschaft. Dies trifft damit Menschen, deren Beziehungsgeflecht ohnehin schon deutlich ausgedünnt ist: Wohnen in der angestammten Nachbarschaft wird durch Gentrifizierung nicht mehr bezahlbar, Vereine aller Art haben Mitgliederschwund und Nachwuchsmangel, (Ehe-)PartnerInnen werden immer mehr zu „Lebensabschnittsbegleitern“, Kneipen und Kirchengemeinden als soziale Treffpunkt haben ihre Bedeutung weitenteils verloren.

Der besagte Job (oder besser gesagt: der feste Arbeitsplatz) bot vormals eine sichere Rolle und Weiterlesen